Kurze Gedichte zu Freundschaft

Gedichte zu Freundschaft und für gute Freunde

Dein wahrer Freund ist nicht,
wer dir den Spiegel hält der Schmeichelei,
worin dein Bild dir selbst gefällt.
Dein wahrer Freund ist,
wer dich sein lässt deine Flecken
und sie dir tilgen hilft,
eh' Feinde sie entdecken.
Friedrich Rückert (1788-1866)

Dem nur blühet wahres Glück,
Den auf seinem Pfade Freundschaft leitet.
Was es seinen Lieblingen bereitet,
Gab dir alles das Geschick.
Eins nur ist zu geben mir geblieben
Und dies einzige biet ich dir an:
Eine Seele, die dich innig lieben
Und dir Freundschaft geben kann.
Franz Grillparzer (1791-1872)

Die Freundschaft ist die heiligste der Gaben,
Nichts Heilger’s konn’t uns ein Gott verleihn'.
Sie würzt die Freud’ und mildert jede Pein,
und einen Freund kann jeder haben,
der selbst versteht, ein Freund zu sein.
Christoph August Tiedge (1752-1841)

Einen Menschen wissen,
der dich ganz versteht,
der in Bitternissen
immer zu dir steht,
der auch deine Schwächen liebt
weil du bist sein;
dann mag alles brechen
du bist nie allein.
Marie Ebner-Eschenbach (1830-1916)

Ein Freund, der mir den Spiegel zeiget,
den kleinsten Flecken nicht verschweiget,
mich freundlich warnt, mich herzlich schillt,
wenn ich nicht meine Pflicht erfüllt:
Der ist mein Freund.
Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769)

Ganz egal, ob groß ob klein,
jeder fühlt sich mal allein
und ein bisschen einsam,
drum gehen wir gemeinsam -
und das nenn ich Freundschaft!
Nicht wahr ist, was du denkst -
nur was du fühlst, ist wahr;
durchs Denken machst du dir nur
das Gefühlte klar.
Friedrich Rückert (1788-1866)

Kannst du nicht mehr Geliebte sein,
sei Freundin mir sodann;
hat man die Liebe durchgeliebt,
fängt man die Freundschaft an.
Heinrich Heine (1797-1856)

Weil du mich, Freund, beschenkst mit dir,
So dank ich billig dir mit mir.
Nimm hin deswegen mich für dich;
Ich sei dir du; sei du mir ich.
Friedrich von Logau (1605-1655)